Sprüche

Nicht Reichtum, Armut macht gierig.

Kapitalismus ist, wenn man immer mehr haben muß, nicht um mehr zu sein, sondern schon um überhaupt zu sein.*

Kapitalismus macht aus Lebensfragen bloße Überlebensfragen.

Im Kapitalismus macht Reichtum doch gierig, weil er dort unterderhand  eine merkwürdige Form von Armut ist.

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* „Wenn das Ungeheuer nicht mehr wächst, so stirbt es. Es kann nicht immer gleich groß bleiben.“

(John Steinbeck, Früchte des Zorns).

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Herabsetzung der Differenz zum bloßen Unterschied

Niels Bohr hat den Begriff des Komplementären in die Physik eingeführt. Er bedeutet: zwei Begriffe schließen einander derart aus, daß die von ihnen gemeinten physikalischen Größen niemals gleichzeitig genau bestimmbar sind. Den prominentesten Fall von Komplementarität bietet die Heisenbergsche Unschärferelation. Man erinnert sich, danach können der Ort eines Teilchens und sein Impuls niemals gleichzeitig, stets nur ungleichzeitig exakt bestimmt werden. Anton Zeilinger sprach sich nun jüngst dafür aus, „daß es zu jedem physikalischen Begriff zumindest einen gibt, der mit ihm komplementär verbunden ist“ (Einsteins Schleier, München 2005, S. 172). So wäre die Komplementärität keineswegs bloß ein apartes Phänomen etwa der Quantenphysik, sondern etwas Allgegenwärtiges im physischen Universum. Bei solcher Verbreitung lohnt es, sich ihrer philosophisch zu vergewissern.  Unter folgender Frage: Welche Konstellation von Differenz und Wiederholung liegt in der Komplementarität?

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Sprüche

Ohne mich zu ändern, kann ich mir nicht treu bleiben.

Entschuldigen kann man auch aus Schwäche, verzeihen nur aus Stärke.

Der übelste Diktator aller Zeiten ist das Man.

Wenn alles Lüge ist, dann auch, daß alles Lüge sei.

Das Kind ist kindlich, kindisch können nur Erwachsene sein.

Foto: Tabitha Hart
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Optimismus der Schwäche – Optimismus der Stärke

Es gibt alles zweifach – einmal aus Stärke, einmal aus Schwäche. So auch bei Pessimismus und  Optimismus. Dazu vier Typogramme.

Optimismus der Schwäche. Paul lebt in dem Gefühl einer übermächtigen Abhängigkeit von den Umständen. Tief geprägt ist er von dem Erleben, wie sehr er in seinen Erfolgen und Mißerfolgen von anderen Menschen und äußeren Bedingungen bestimmt wird und wie wenig dagegen in seiner Macht steht. Zugleich ist er ganz intensiv von dem Wunsch beseelt, Erfolg zu haben, es zu etwas zu bringen und überhaupt ein gelingendes Leben zu führen. Untergründige Ohnmachtsstimmung und heißes Erfolgsverlangen – aus diesem Kontrast stammt seine Neigung, die Umstände und ihre künftige Dynamik zu günstig zu beurteilen. Sein Wunsch, als Gewinner abzuschneiden, ist so brennend  und zugleich dermaßen an die Gunst der Umstände gebunden, daß er deren Dynamik sich oft allzu rosig ausmalt, als könnte er nicht zwischen Wunsch und Wirklichkeit unterscheiden. Mit ‚günstigen Aussichten‘ kompensiert er das Gefühl mangelnder Handlungsmächtigkeit.

Pessimismus der Schwäche. Peter kennt dieses beherrschende Gefühl einer defizitären Handlungsmächtigkeit ebenfalls. Bevor er sich fragt, was er selbst tun will, analysiert er sorgfältig,  für welche Handlungen die Mitmenschen und die äußeren Bedingungen überhaupt günstige Voraussetzungen bieten. Um dann zu finden, daß diese Voraussetzungen eigentlich fast immer fehlen. Anders als Paul beurteilt er nämlich die Umstände und ihre künftige Dynamik überwiegend negativ. Wäre er nicht einfach gezwungen, gewisse Dinge doch zu tun, würde er womöglich alles Tun als hoffnungslos verwerfen. Tatsächlich aber projiziert er dabei nur sein eigenes Selbstbild und Selbstgefühl in die Umstände hinein. Es ist eine Projektion seines tiefsitzenden Gefühls eigener Ohnmacht, was ihm die Umwelt als eine von düsteren Aussichten vollends gezeichnete gegenübertreten läßt.

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Vom Absoluten

Es gibt ein philosophisch methodisches Gebot, das lautet:

(1) Du sollst nichts absolut setzen.

Was folgt daraus?

(2) Wenn ich nichts, wirklich gar nichts absolut setzen soll, dann darf ich nicht einmal das Vermeiden des Absolutsetzens verabsolutieren.

Wie aber kann ich es vermeiden, auch nur das Vermeiden des Absolutsetzens zu verabsolutieren? Allein indem ich doch etwas absolut setze. Das heißt:

(3) Um in der Tat nichts absolut zu setzen, um mithin nicht  einmal das Vermeiden des Absolutsetzens zu verabsolutieren, muß ich etwas absolut setzen.

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