Jan 04 2009

Idealismus und Realismus als Raumideen

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 14:43

Es gibt einen Topos, den Ernst Bloch mit unüberlesbarer Ironie wie folgt beschreibt. “Wie einfach scheint es, daß man in sich sitzt und heraussieht. Das Ich wohnt innen, umgrenzt von der Haut, die sonst nicht umsonst eigene Haut heißt. Außerhalb ihrer, in dem, was dadurch Draußen heißt, wohnen die Dinge. In einem Raum ohne uns, durch den wir stets wie besucherisch hindurchgehen, auch mit eigener Hand eingreifen.” (Tübinger Einleitung in die Philosophie, Bd. 1, Frankfurt am Main 1965, S. 35). Recht durchdringend wirkt an dem nachgezeichneten Gemeinplatz die Innen-Außen-Unterscheidung. Das Ich mit seinem Wahrnehmen finde sich innen, die wahrzunehmenden Dinge befänden sich im “Draußen“. So simpel sich das in der zitierten Beschreibung auch ausnimmt, entlang der nämlichen Innen-Außen-Scheidung entfaltete sich im neuzeitlichen Philosophieren nichts Geringeres als die Opposition von Idealismus und Realismus. Was diese Opposition betrifft, darf ich an eine von Rudolf Carnap vorgenommene und bis heute immer wieder bemühte thesenförmige Profilierung der beiden philosophischen Grundrichtungen erinnern. Danach behauptet der Realist: “die mich umgebenden, wahrgenommenen, körperlichen Dinge sind nicht nur Inhalt meiner Wahrnehmung, sondern sie existieren außerdem an sich (’Realität der Außenwelt‘)”. Während der Idealist behauptet: “real ist nicht die Außenwelt selbst, sondern nur die Wahrnehmungen oder Vorstellungen von ihr (’Nichtrealität der Außenwelt‘)”. (Scheinprobleme der Philosophie, Frankfurt am Main 1966, S. 60). So stellt sich die fragliche Opposition in Thesenform dar. Was geschieht näher besehen bei der Entscheidung für die eine oder die andere Grundrichtung? (mehr…)