Feb 18 2009

Kinderschänder

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 13:18

Wieso erregen sich die Gemüter über Kinderschänder ungleich heftiger als über Kindermörder? Wenn eine Frau ihren Säugling vom Balkon wirft, ist die Öffentlichkeit entsetzt, wenn ein Kind mißbraucht wird, ist sie voller Abscheu. Niemand entzündet die Vergeltungsphantasie des Volkes dermaßen intensiv wie der Kinderschänder, niemand zieht eine so haßerfüllte Empörung auf sich wie er. In den Gefängnissen, unter Häftlingen steht er am schlechtesten da. Wer eine Frau vergewaltigt hat, ist dort ein Krimineller unter Kriminellen, wer ein Kind mißbraucht hat, steht noch unter den Kriminellen. Selbst  inhaftierte Serienmörder, Kriegsverbrecher und Berufskiller empfinden gegenüber dem Kinderschänder tiefe Abscheu  und meinen, ihn auch  ihrerseits noch verfolgen und bestrafen zu müssen.

Ein Mord berührt vornehmlich unsere moralischen Gefühle; und das Grundgefühl der Moralität ist eine Angst - die Angst vor der Aggression des Mitmenschen. Der Kindesmißbrauch berührt  mehr noch einen anderen Gefühlskomplex, einen, der beim Ekel seinen Ausgang nimmt. Morden ist böse, Kindesmißbrauch ist widerwärtig. Der Ekel aber sitzt anthropologisch tiefer als jene Angst vor dem Mitmenschen, die uns den Begriff des Bösen hat erfinden lassen. Der Ekel mit seinen zahlreichen Abkömmlingen kommt  elementarer,  basaler, wuchtiger daher. Deshalb bewegen Kinderschänder heftiger noch als Kindesmörder die Gemüter.


Feb 04 2009

Zitiert

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 0:20

“Und noch eines zeigt der Systemvergleich: daß politische Unfreiheit der Kunst nicht unbedingt schaden muß und umgekehrt politische Freiheit fast schon bedrohlich sein kann.”

Hanno Rautenberg über eine Austellung von Kunst in der DDR und in der BRD (Nun kann die Mauer fallen, Die Zeit, 29. 01. 2009).


Feb 02 2009

Der transzendental idealistische Raum

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 0:44

Immanuel Kant hat bekanntlich einen besonderen Idealismus gestiftet,  einen transzendentalen, den er vom überkommenen Idealismus wie von einem materialen unterschied. Danach sind Raum und Zeit Anschauungsformen, Vorstellungsarten. Das heißt, Raum und Zeit existieren nicht an sich, sondern nur für uns. Sie sind „nichts an sich selbst und außer meinen Vorstellungen Existierendes, sondern selbst nur Vorstellungsarten” (Prolegomena, Kants gesammelte Schriften, Bd. IV, S. 341/42). Analoges gilt für jedes räumlich Gegebene, für alles räumlich Beschaffene, für jeglichen Gegenstand in Raum und Zeit. „Wenn ich von Gegenständen in Zeit und Raum rede”, sagt Kant, „so rede ich nicht von Dingen an sich selbst, darum weil ich von diesen nichts weiß, sondern nur von Dingen in der Erscheinung, d. i. von der Erfahrung als einer besondern Erkenntnißart der Objecte, die dem Menschen allein vergönnt ist.” (Ebenda, S. 341). Beliebige Dinge können also räumlich gegeben sein, räumlich beschaffen sein, im Raum sein nur als Erscheinungen, allein in der Form, in welcher sie uns erscheinen und von uns vorgestellt werden, ausschließlich als Gegenstände der Erfahrung. Nur für uns. Wie dagegen die Dinge, auf die unsere Vorstellungen und Begriffe Bezug nehmen, an sich selbst beschaffen und gegeben sind, können wir nicht wissen; es läßt sich lediglich negativ von ihnen sagen, daß sie mit Sicherheit nicht räumlich gegeben und beschaffen sind. Alles Räumliche ist ein solches nur für uns, und wie immer die Dinge an sich selbst beschaffen sein mögen, auf alle Fälle nicht räumlich. (mehr…)