Dez 22 2009

Vom Werden des Lebens

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 13:42

Zwei Thesen über das Werden des Lebens sind in den einschlägigen Wissenschaften verbreitet. Die eine besagt: Omne vivum ex vivo, alles Leben wird aus Leben. Eine Formel, die auch als Gesetz der Biogenese gilt. In dieser Formel faßte man im 19. Jahrhundert empirische Befunde zusammen, die Louis Pasteur und andere Forscher erhoben hatten. Sie zeigten, daß Lebewesen, von denen man bis dahin glaubte, sie würden spontan aus lebloser Materie entstehen, in Wahrheit aus lebendigen Vorgängern hervorgegangen sind. Womit bewiesen war, alles Leben wird aus Leben. Rudolf Virchow hat die mittlerweile schon klassische Formel noch um eine weitere ergänzt: Omnis cellula e cellula, jede Zelle wird aus einer Zelle. „Wo eine Zelle entsteht, da muß eine Zelle vorangegangen sein (omnis cellula e cellula), ebenso wie das Tier nur aus einem Tiere, eine Pflanze nur aus einer Pflanze entstehen kann.” (Die Cellularpathologie in ihrer Begründung auf physiologische und pathologische Gewebelehre, Berlin 1871, S. 24). Soweit die eine These. Zu ihr findet sich nun noch eine Art Gegenthese. Ihrem Ansatz nach beinhaltet die Gegenthese den folgenden Gedanken. Es muß ein Werden des Lebens überhaupt geben, ein genuines Werden des Lebens, und das Werden des Lebens überhaupt, kann offenkundig nicht ein Werden aus Leben sein. Aber wie versteht sich solches Werden, wenn es kein Werden aus Leben sein kann? An diesem Fragepunkt angelangt, reklamiert man oft eine „Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie”, um hier eine Formulierung von Ernst Mayr zu bevorzugen (Das ist Biologie, Heidelberg-Berlin 1998, S. 238). Die Behauptung einer Entstehung des Lebens aus unbelebter Materie gilt auch als zentrale Formel der sogenannten Abiogenese. Gelegentlich werden beide Thesen sogar zugleich, im gleichen Kontext behauptet. So etwa von Francois Jacob. Einerseits akzeptiert er, daß „das Organische zum Lebenden” geworden sein muß, auch wenn „jene Reihe von Ereignissen schwer zu verstehen ist, die das Organische zum Lebenden werden ließ.” Im gleichen Text formuliert er andererseits: „Das Leben geht aus dem Leben hervor, und einzig aus ihm.” (Die Logik des Lebenden, Frankfurt am Main 1972, S. 138, 323). Leben soll also aus dem Organischen, das heißt aus lebloser, molekularer Materie geworden sein und zugleich doch einzig und allein aus Lebendigem werden können. Spätestens dann, wenn beide Gedanken im gleichen Kontext auftauchen, quasi direkt aufeinander treffen, und auch noch eine so bündige Formulierung erfahren wie durch Jacob, wird es bereits fühlbar, wie logisch spannungsvoll sie zueinander stehen. Wie soll Leben aus leblosen organischen Substanzen geworden sein können, wenn es zugleich doch einzig und allein aus anderem Leben hervorgehen können soll? Das ist - wenigstens in der nachlesbar formulierten Weise -  unmöglich. (mehr…)


Dez 05 2009

Als bedeutete Sein zugleich Schönsein

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 14:52

Das Foto wurde vom Hubble-Teleskop geschossen. Es zeigt einen Schleier-Nebel im Sternbild Schwan. Bei dem Nebel handelt es sich um die Explosionswolke einer Supernova, die sich vor 5000 bis 10.000 Jahren zugetragen haben soll.

Was interessiert mich an dem Bild? Daß es voller Schönheit ist. Alle Bilder, die Hubble uns gesandt hat, sind von erhabener Schönheit. Welche Region des Alls sie immer zeigen - hinreißend schön. Manchmal auch abgründig schön. Niemals jedenfalls so kahl und spröde, wie das wissenschaftliche Aussagen über kosmische Strukturen nahelegen.

Vom Standpunkt einer antiken Kosmologie kommt das alles andere als überraschend. “Kosmos” bedeutet ja urtümlich soviel wie Himmelsschmuck. Im antiken Kosmos ist alles Sein zugleich ein Gutsein und Schönsein. Etwas von diesem Synkretismus findet sich in Hubbles Bildern bestätigt.