Mai 24 2010

Craig Venter spielt nicht Gott

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 16:21

Der jüngste Erfolg von Craig Venter auf dem Arbeitsfeld der „synthetischen Biologie” verführte diverse Journalisten zu reichlich törichten Einschätzungen. Venter hätte „künstliches Leben” erzeugt, heißt es, oder doch wenigstens „künstliches Erbgut”; Venter würde  „Gott spielen”, die Rolle eines Schöpfers spielen; Venter habe etwas „kreiert”, einen „künstlichen Einzeller” nämlich, das „erste synthetische Lebewesen”. Tatsächlich hat er mit seinem Team all dies nicht gemacht, sondern folgendes.

Er hat ein vergleichsweise sehr großes und sehr komplexes Molekül nachgebaut,  hat es  aus basischen Bausteinen, wie sie auch die Natur verwendet,  in vitro synthetisiert. Eine Säure namens DNA wurde dabei mit genau der Bausteinsequenz kopiert, die schon das natürliche Urbild aufweist. Technologisch stellt das eine enorme Leistung dar, wenn man nur bedenkt, daß es sich bei dem nachgebauten DNA-Molekül um eine Sequenz mit über eine Million Bausteinen  handelt.  Und das alles in mikroskopisch winziger Größenordnung. Ferner  hat er bewiesen, daß die von ihm synthetisierte DNA-Bausteinsequenz als genau das fungiert, als was schon ihr natürliches Urbild fungiert - als sogenannter „Träger einer genetischen Information”. Das nachgebaute DNA-Molekül findet sich naturgemäß in dem Bakterium Mycoplasma mycoides und fungiert dort als „Träger des genetischen Bauplans”, nach dem dieser Einzeller wächst und sich teilt. Das im Glas synthetisierte DNA-Molekül erfüllt nachweislich die gleiche Funktion. Nachgewiesen wurde das auf folgende Weise. Man nahm sich einen verwandten Einzeller vor, das Bakterium Mycoplasma capricolum,  entfernte daraus die ihm naturgewäß eigene DNA und pflanzte ihm statt dessen die künstlich synthetisierte DNA ein. Tatsächlich begann darauf das manipulierte Bakterium, einen Lebensprozeß zu vollziehen,  zu wachsen und sich zu teilen, und zwar so, daß die Tochterzellen nicht wie Mycoplasma capricolum, sondern wie Mycoplasma mycoides beschaffen sind. (mehr…)


Mai 15 2010

Streitpunkt “Rassen”

Kategorie: AllgemeinesHartwig Schmidt @ 16:16

Das Deutsche Institut für Menschenrechte hat im April dieses Jahres erneut vorgeschlagen, den Begriff „Rasse” aus dem Grundgesetzt zu streichen. Begründet wird das in einer Publikation des Instituts zusammenfassend mit zwei Argumenten: Erstens suggeriere der Gebrauch des Begriffs, „daß es unterschiedliche menschliche Rassen gebe”, während es in Wirklichkeit, das meint der Wortlaut offenkundig,  gar keine gibt. Zweitens sei „jede Theorie, die auf die Existenz unterschiedlicher menschlicher ‚Rassen’ abstellt, in sich rassistisch”.[1]

Das letztere Argument, wonach schon die bloße Annahme der Existenz unterschiedlicher menschlicher Rassen  per se rassistisch ausfalle,  ist gewiß falsch. Rassismus besteht nicht schon in der Behauptung der Existenz menschlicher Rassen, sondern erst in der Behauptung einer Ungleichwertigkeit zwischen ihnen. Rassistisch denkt nicht, wer annimmt, daß es menschliche Rassen gibt, rassistisch denkt, wer glaubt, daß sie sich wie minderwertige und höherwertige unterscheiden würden, wer also ein werthaltiges Niveaugefälle zwischen ihnen  behauptet. Dadurch erst diskriminiert er. Und allein der diskriminierende Diskurs über Rassen erfüllt den Begriff des Rassismus.  Es gibt aber nicht nur den diskriminierenden Diskurs über menschliche Rassen, sondern auch einen nicht diskriminierenden. Der nicht diskriminierende Diskurs ist über viele Jahrzehnte geführt worden - gegen den diskriminierenden, gegen Rassismus. Seine  logische Voraussetzung bestand und besteht in der Prämisse: es gibt Unterschiede zwischen großen Menschengruppen, die keine Ungleichwertigkeiten darstellen; es können große Menschengruppen wirklich existieren und sinnfällig sich voneinander unterscheiden, ohne sich werthaltig zu unterscheiden, ohne wie Minderwertiges und Hochwertiges zu differieren. Diese Prämisse müßte man außer Geltung setzen, wenn man bereits die schlichte Annahme der bloßen Existenz von Rassen innerhalb der menschlichen Gattung  in einer logisch halbwegs folgerichtigen Weise des Rassismus bezichtigen wollte. Konsequenterweise müßte man dann unterstellen, alle Existenz und Verschiedenheit von großen Menschengruppen sei an sich schon eine werthaltige, eine ungleichwertige. Eine solche Unterstellung aber würde geradewegs in die Totalisierung des diskriminierenden Denkens münden. (mehr…)