De dignitate hominis

Hein Menzel, Jahrgang 1951, ist arbeitsloser Historiker. Die eine Hälfte seiner geräumigen Wohnung im Berliner Friedrichshain nahe der beliebten Simon-Dach-Straße hat er an eine belgische Studentin älteren Semesters untervermietet. Anfang Januar standen plötzlich zwei junge Frauen vor der Tür, die sich als Mitarbeiterinnen vom Prüfdienst des Jobcenters vorstellten. Sie würden gerne seine Wohnverhältnisse überprüfen und ermitteln, ob er von der Mitbewohnerin tatsächlich getrennt lebe; es könnte ja sein, daß er zu Unrecht Leistungen in voller Höhe beziehe. „Die beiden sahen das französische Bett in meinem Schlafzimmer – ich war vor Jahren noch verheiratet – und baten mich, das Bettdeck zurückzuschlagen. Ich fragte sie, wozu. Am Laken kann man so manches erkennen, gab die eine schmunzelnd zur Antwort. Mir verschlug es die Sprache. Und könnten Sie uns jetzt den Wäscheschrank zeigen, fragte die andere. Könnten sie eben mal die Unterhosen anheben? Und dieses rote Höschen, ist das Ihres? Ich nickte nur. Aber so etwas Aufreizendes ist doch eher ungewöhnlich für einen älteren Herrn, bemerkte spitz die erste, und einen Schlitz hat es auch nicht. Ich bekam es nicht fertig, ihr zu erwidern. Schamgefühle legten mich völlig lahm.“

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